ZDF Heute Show

Oliver Welke Heute Show

Die klassische Late Night Show ist tot. Diesen Satz durfte man in der Vergangenheit oft lesen. Doch was ist überhaupt eine Late Night Show? Wikipedia schreibt dazu:

Die Late-Night-Show ist eine aus den USA stammende spezielle Form von Show, die normalerweise spät am Abend gesendet wird und sich am besten als eine Mischung aus Talkshow und Comedy beschreiben lässt. Aufgekommen ist das Format in Amerika in den frühen 1950er Jahren, und ist seitdem ein fester Bestandteil des Fernsehprogramms. Steve Allen und Johnny Carson von der The Tonight Show gehören zu den Pionieren dieses Genres.

Quelle: Wikipedia

Insofern gibt es gar keine Late-Night Show, weil das Format vollkommen offen ist. Natürlich stellt sich der Zuschauer eine Skyline einer Stadt, den obligatorischen Tisch und einen gemütlichen Sessel für den Gast samt einer Liveband vor, doch geht es bei der Late Night Show vielmehr um die thematische Ausrichtung.

In Deutschland denkt man nicht zuerst an das Thema, sondern an Harald Schmidt. Das ist in Ordnung, denn eine solche Sendung ist immer auch durch seinen Moderator geprägt. Meist tragen die Entertainer einen klassischen Anzug und gehen mit einem Stand-Up zuerst auf die aktuelle Themenlage der jeweiligen Nation ein.

In Amerika ist das Format wieder total im Aufwind. Da dominieren Stephen Colbert und Jon Stewart die Bildschirme und haben ihre Show mehr auf die Politik ausgerichtet. Das ist nicht mehr vergleichbar mit einem Konzept von Schmidt oder Raab. Stephen Colbert feiert sich in seinem Colbert Report fast nur noch ausschließlich selbst und hat es damit geschafft, dass nun ein Laufband an Bord der ISS nach ihm benannt wurde. Die Gags sind komplett auf die “Hosts” zugeschnitten und befassen sich nur noch beiläufig mit dem wilden Treiben der Prominenz. Zudem ist das Web ein großes Thema und Hypes wie Twitter und Gags über Google und Co. gehören zum Standard.

Wenn man sich hier in Deutschland nun Sorgen über das alte Konzept macht und Oliver Pocher komplett auf eine “klassische” Late Night setzt, so hat man nur wieder einmal einen Trend verschlafen. Erst jetzt kommen Formate wie die Heute Show mit Oliver Welke auf den Schirm und werden zuerst nur einmal im Monat produziert.

Die Heute-Show soll sich mit den politischen Meldungen, irrwitzigen Zitaten von Politikern und der aktuellen Lage der Nation beschäftigen. Angeblich wird sie vier Stunden vorher produziert, damit man auch noch sehr schnell auf ganz heiße Themen eingehen kann. Sinniger wäre es fast eine solche Sendung jeden Abend vor den eigentlichen Nachrichten zu senden und damit allen kommenden Late Night Formaten die Gags zu stehlen.

In Amerika sind Shows von Colbert und Stewart für die junge Zielgruppe auch Nachrichtenquelle und Meinungsmacher. Ob dieses Konzept nach Deutschland übertragbar ist? Uns fehlt leider dieser amerikanische Patriotismus. Abwrackprämie hört sich nun halt nicht so geil wie “Yes we Can!” an, aber dennoch ist es einen Versuch wert. Wenn dann noch lustige Einspieler kommen…ich bin gespannt!

Nebenbei…die Amerikaner haben diese politische Ausrichtung übrigens nicht wirklich erfunden, sondern haben vielmehr unserem holländischen Original ein Update verpasst. Wer hat’s erfunden? Rudi Carrell natürlich!

Die erste Ausgabe der Heute-Show mit Oliver Welke läuft am Dienstag, dem 26. Mai 2009 um 22:15 Uhr im ZDF

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4 Kommentare bisher, eigenen Senf abgeben?

  1. sub sagt:

    Also da muss ich wiedersprechen,The Daily Show with Jon Stewart ist keine Late Night Show und The Colbert Report ebenfalls nicht.Diese beiden Sendungen fallen unter politische Satire.Eine typische Late Night Show wäre etwa The Late Show with David Letterman oder Jimmy Kimmel Live!
    Stephen Colbert feiert sich auch nicht permanent selbst,das ist nur die Rolle die er spielt:Einen verkappten Republikaner in Anspielung auf Bill O’ Reilly auf FOX.Ich glaube in Deutschland gab es sowas bis jetzt nicht weil unsere Medienlandschaft nicht so stark in verschiedene politische Lager unterteilt ist.Man könnte nicht sagen das die Tagesschau nur linke oder rechte Ansichten vertritt.In Amerika ist das anders da gibt es klar das Liberale Lager bei MSNBC und das republikanische Lager bei FOX.Bei uns gibt es keine Persönlichkeiten die so stark polarisieren wie der oben genannte Bill O’ Reilly und wir hatten auch keine 8 jahre G.W Bush als Präsidenten,denn nur durch letzteren konnten liberale Comedians wie Stewart oder Colbert,die beide nicht besonders gut auf Bush zu sprechen sind, so beliebt werden.In Amerika traut man sich auch Politiker mal härter in einem Interview ranzunehmen,nicht wie in DE wo Angela Merkel über Roulladen befragt wird.Ich fand die Sendung heute gut gelungen und ich denke der Herr Welke könnte der Aufgabe gewachsen sein,natürlich wird er nie an Stewart rankommen.Genausowenig wie Schmidt an Letterman rankommt.Der hat übrigens schon 1982 Late Night Shows gemacht die Amerikaner haben sich das alsokeinesfalls abgeschaut ;-)

  2. Rob Vegas sagt:

    da es keine richtige late night show gibt, bedienen sich wohl alle genannten shows verschiedener elemente dieser form.

    musst auch richtig lesen…die neue politische richtung gab es schon bei rudi früher. neu erfinden tut da keiner was.

    welkes einstand fand ich sehr gelungen, wobei es natürlich noch viel persönlicher kommen kann wie bei colbert.

  3. Julian sagt:

    Na ja… also ne richtige Late Night ist das trotz aller Vergleichsbemühungen in diesem Artikel nicht.

    Da leuchtet mir vielleicht der Vergleich mit der Daily Show, mit Rudis Tagesshow oder vor allem mit der Wochenshow ein (“Kompetent in Prozent” ist ja scheinbar ganz dreist von “Trend in Prozent” geklaut)… aber alles mit ner Late Night zu vergleichen nur weil ein Schreibtisch und Gags in der Sendung vorkommen: Dann wäre auch Johannes B. Kerner (der das anfangs ja sogar sein wollte) und Beckmann ne Late Night und, Gott bewahre, die beiden in einem Zug mit Leuten wie Jay Leno, Harald Schmidt, David Letterman und vor allem Johnny Carson zu nennen wäre wohl mehr als Frevel an der guten alten Late Night.

    @sub

    Von Johnny Carson und Steve Allen würd ich jetzt gar nichts erst anfangen, die haben die Tonight Show/Varitey Show in Amerika schon moderiert, als man hier noch nichteinmal wusste wie man “Late Night Show” buchstabiert.

  4. Markus sagt:

    Also ich sag mal:
    Das geht auch besser – selbst wenn man kein Geld hat.
    Nämlich bei Das NachRichten!
    Und ich weiß wovon ich spreche – ich mach da nämlich mit!

    Markus

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