Das Internet aus dem Fernseher

Ich liebe das Fernsehen. Man kann sich herrlich über die schlechten Formate aufregen und sich von guten Krimis via VOX berieseln lassen. Noch nie gab es eine solch gute Vielfalt an interessanten Dokumentationen und Sender wie N24 erklären uns täglich wie Sahnetorten, Fleischwurst und Speiseeis hergestellt werden.

Natürlich bin ich ein Online-Showmaster und breche gerne jede Lanze für WebTV. Mit den Inhalten der Sender kann das Netz aber nur bedingt konkurrieren. Allein die Anreise für Interviews, Kameramänner, und das Equipment übersteigt die Budgets eines Web-TV Produzenten. Dennoch wird dieser Markt wachsen und das Fernsehen immer wieder mit neuen Ideen und Formaten befruchten.

Die Portale träumen indes von der Möglichkeit die Fernseher mit ihrem Content zu erobern. In Kürze werden erste Geräte erscheinen und verschiedene Provider planen eigene Set-Top-Boxen für das Internet TV auf dem Fernseher. Da fragt man sich momentan nur, warum sich die Zuschauer die im Netz immer populärer werdenden TV-Inhalte wieder durch das Internet zurück auf die Flimmerkiste holen sollen?

Der große Kaufrausch ist mit DVB-T längst vorbei. Die Menschen mussten sich neue Receiver zulegen, da das anloge Netz abgeschaltet wurde. Es wird aber nur eine geringe Masse an Leuten in die Läden stürmen, weil man sich nun YouTube Videos auf den Fernseher holen kann, welche man zuvor sowieso schon im Netz gesehen hat.

Im Internet bekommt man meist einen Link via Mail, Twitter oder sonstiger Empfehlung geschickt. Ein Thema wie Susan Boyle verleitet zur Suche nach dem Auftritt in der englischen Castingshow. Der Fernseher bietet einem dieses Sucherlebnis gar nicht, sondern wird in Zukunft nur einen großen Katalog mit Werbebannern für Senderproduktionen bieten.

Im Radio hörte ich gestern erst, dass T-Home bei vielen Kunden nicht wirklich funktioniert. Die Bandbreiten sind oft zu gering und Videostreams brechen ab, oder starten erst gar nicht. In ein paar Jahren wird das sicherlich anders aussehen, aber gibt heute kaum jemand mehr Geld für solche Zusatzdienste aus.

Was würde also passieren, wenn Leute wie ich morgen ihre Sendungen über so eine Box anbieten? Ich könnte eine Pressemeldung raushauen und eine neue Ära abfeiern, aber die Nutzer an den Endgeräten würden mich wohl nicht so schnell finden. Das Netz und seine Videoinhalte brauchen das klassische Fernsehen als Multiplikator. TV-Shows wie Kalkofes Mattscheibe, Switch und Comedians können durch ihre Präsenz im Fernsehen die Nutzer dazu verleiten sich die Inhalte nochmal online anzuschauen.

Sitze ich morgen Abend bei Maischberger und mein Name wird eingeblendet, so erledigt Google den Rest für mich. Die Klicks schießen hoch! Ohne Maischberger oder Printartikel kann WebTV einpacken. Da hilft auch keine Set-Top-Box.

Sehe ich das zu negativ? Nein, aber man sollte sich nicht blenden lassen. Die ProSieben Sat1 Gruppe wird in Kürze ihre gesmaten Inhalte digital ausliefern. Es ist günstiger. Somit werden die Inhalte auf Dauer entscheiden. Das Fernsehen an sich muss sich aber vor den Inhalten aus dem Netz nicht fürchten. Außer vor meiner Show natürlich ;-)

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